Nickelallergie und Schmuck: Was du mit deinen Lieblingsstücken machen kannst

Material · Nickelallergie

Von Maria-Anna, Schmuckexpertin · 6 Min. Lesezeit

Schmuckschale mit Ketten und Ohrringen aus verschiedenen Metallen bei Nickelallergie
Die Stücke, die schon da sind, stellen andere Fragen als die, die man noch kaufen könnte.

Das Wichtigste in Kürze

Bei einer Nickelallergie entscheidet nicht, ob Nickel im Metall steckt, sondern wie viel davon auf die Haut übergeht. Die EU erlaubt höchstens 0,5 Mikrogramm pro Quadratzentimeter und Woche, bei Stäben in durchstochenen Ohren nur 0,2. Ein Lacküberzug hält diese Abgabe ein paar Tage auf. Das Material hält sie dauerhaft auf.

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In fast jeder Beratung zum Thema Nickelallergie fällt irgendwann derselbe Satz. Ich habe da noch ein paar Sachen liegen, die ich eigentlich liebe.

Meistens ist es eine kleine Schale auf der Kommode. Oder ein Kästchen ganz hinten in der Schublade. Darin die Kette vom letzten Geburtstag, die Creolen aus dem Urlaub, der Ring, den eine Freundin mitgebracht hat. Lauter Stücke mit Geschichte. Und alle unbenutzbar, seit die Haut darauf reagiert.

Um genau die geht es hier. Nicht um das nächste Paar, das du kaufen könntest, sondern um das, was schon da liegt. Woran es liegt, was sich retten lässt und was du guten Gewissens weggeben darfst.

Vorweg

Ein Satz vorweg, weil er wichtig ist. Wenn deine Haut gereizt, geschwollen oder entzündet ist, gehört das in ärztliche Hände und nicht in einen Schmuckratgeber. Ich rede hier über Metall.

Welchen Schmuck kann ich bei Nickelallergie tragen?

Verträglich sind Materialien, die praktisch kein Nickel an die Haut abgeben. Dazu gehören Reintitan, Niob, Platin, hochkarätiges Gold und 316L EdelstahlStahlsorte mit der Werkstoffnummer 1.4404, auch für chirurgische Instrumente und Implantate verwendet.. Ob Nickel im Metall steckt, ist dabei nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, wie viel davon in Schweiß übergeht.

Das klingt nach Haarspalterei, ist aber der ganze Unterschied. Reintitan enthält kein Nickel und gibt deshalb keines ab. 316L Edelstahl enthält zweistellig Nickel und gibt trotzdem fast nichts ab, weil es im Metallgefüge gebunden bleibt und eine hauchdünne Chromschicht darüber liegt.

Zwei verschiedene Wege, dasselbe Ergebnis auf der Haut.

Deshalb führt die Frage „ist da Nickel drin“ in die Irre. Welches Material am Ohr am ruhigsten sitzt, steht im Materialvergleich für empfindliche Ohren, worauf es bei nickelfreien Ohrringen im Handel ankommt, im Beitrag dazu. Zurück zu der Schale auf der Kommode.

Warum steckt überhaupt Nickel in Schmuck?

Nickel macht Legierungen härter, formbarer und heller. Kaum ein Hersteller wählt es bewusst als Hauptmetall. Es kommt über die Verarbeitung ins Stück, und zwar an vier Stellen: als Aufheller im Weißgold, im WeichlotLot, das bei niedriger Temperatur schmilzt. Es verbindet Schmuckteile schnell, enthält aber häufig Nickel als Zusatz. an Verbindungsstellen, in Verschlüssen und als Haftschicht unter dünnen Vergoldungen.

Die unsichtbare Stelle

Die letzte Stelle ist die unangenehmste, weil man sie nicht sieht. Unter einer galvanischen Goldauflage sitzt bei günstigem Schmuck oft eine hauchdünne Nickelschicht, die dem Gold Halt gibt. Solange die Auflage geschlossen ist, passiert nichts. Reibt sie durch, liegt genau diese Schicht auf deiner Haut. Deshalb sind es fast immer dieselben Stellen, die zuerst Ärger machen: die Innenseite eines Rings, die Rückseite eines Anhängers, der Verschluss im Nacken. Also überall dort, wo das Stück am meisten reibt.

Bei Edelstahl ist die Lage anders. Dort ist Nickel Teil der Legierung selbst, nicht eine Schicht darauf. Für 1.4404, den Stahl hinter der Bezeichnung 316L, nennt das Werkstoffdatenblatt einen Nickelanteil von rund 10 bis 13 Prozent. Gebunden im Gefüge, unter einer PassivschichtHauchdünne Oxidschicht, die sich an der Luft von selbst bildet und das Metall nach außen abschließt., die sich nach jedem Kratzer von selbst wieder schließt. Wie sich Edelstahl insgesamt bei empfindlicher Haut verhält, steht im Abschnitt zu Edelstahl.

Ist Nickel in Schmuck überhaupt erlaubt?

Ja. Verboten ist nicht das Metall, sondern die Abgabe oberhalb eines Grenzwerts. Seit Juni 2001 gilt in der EU für Erzeugnisse mit längerem Hautkontakt eine Höchstgrenze von 0,5 Mikrogramm pro Quadratzentimeter und Woche. Für Stäbe, die in durchstochener Haut sitzen, gilt seit 2004 der strengere Wert von 0,2.

0,5 µg

bei längerem Hautkontakt, pro cm² und Woche

0,2 µg

für Stäbe in durchstochener Haut

1 Woche

Messdauer in künstlichem Schweiß, nach simulierter Alterung

Diese zwei Zahlen erklären, warum ein Schmuckstück Nickel enthalten darf und trotzdem im Regal liegt. Geregelt ist die Freisetzung, nicht der Gehalt. Gemessen wird sie in künstlichem Schweiß über eine ganze Woche, und zwar nicht am neuen Stück, sondern nach einer simulierten Alterung durch Abrieb und Korrosion. Der Alltag ist im Grenzwert also bereits eingepreist.

Was das nicht heißt: dass jedes verkaufte Stück den Wert einhält. Marktkontrollen finden regelmäßig Überschreitungen, besonders bei sehr günstiger Ware aus dem Internethandel. Eine Regel zu haben und eine Prüfung zu haben, sind zwei verschiedene Dinge.

Aus der Beratung

Maria-Anna, Schmuckexpertin bei MERCY'S

Maria-Anna, Schmuckexpertin

An dieser Stelle werden Kundinnen in der Beratung manchmal richtig ärgerlich, und ich verstehe das. Wer seit Jahren mit juckenden Ohrläppchen lebt, will nicht hören, dass es dafür eine erlaubte Menge gibt. Trotzdem ist genau diese Zahl das Beste, was du hast. Sie ist überprüfbar. „Hypoallergen“ ist es nicht.


Hilft es, Schmuck zu lackieren?

Kurzfristig ja, dauerhaft nein. Eine Schicht klarer Nagellack oder ein Isolierlack aus dem Bastelbedarf legt sich zwischen Metall und Haut und hält die Nickelabgabe auf. Nur bleibt sie nicht liegen. Reibung, Schweiß und Hautfett lösen den Film wieder, bei Nagellack oft schon nach wenigen Tagen.

Maria-Annas Tipp

Maria-Anna, Schmuckexpertin bei MERCY'S

Maria-Anna, Schmuckexpertin

Das ist kein Argument gegen den Trick. Für das eine Erbstück, das du zweimal im Jahr trägst, ist er die richtige Lösung. Für die Kette, die täglich auf der Haut liegt, nicht. Und er ändert nichts an dem, was darunter sitzt.

Schutz Aufgebracht Hält Was danach passiert
Klarer Nagellack selbst, mit dem Pinsel Tage Film reibt ab, Kontakt wie vorher
Anti-Allergie-Isolierlack selbst, mehrere Schichten Wochen muss nachgetragen werden
Zaponlack selbst oder Werkstatt Wochen bis Monate organische Verbindung, zersetzt sich
Galvanische Vergoldung ab Werk Monate Basismetall liegt frei
PVD im Vakuum auf 316L ab Werk dauerhaft darunter derselbe Stahl

Der Unterschied in der letzten Spalte ist der eigentliche Punkt. Lack ist eine Barriere auf Zeit, aufgetragen auf ein Metall, das darunter unverändert bleibt. Eine PVD-Vergoldung wird im Vakuum aufgebaut und verbindet sich mit der Oberfläche, statt auf ihr zu liegen. Und wenn sie nach Jahren dünner wird, kommt kein anderes Metall zum Vorschein, sondern derselbe Stahl, der schon vorher darunter lag und den Grenzwert eingehalten hat.

Bei vergoldetem Messing ist es umgekehrt. Dort verschiebt der Lack das Problem nur nach hinten.

Hand prüft den Karabinerverschluss einer goldenen Kette, Materialfrage bei Nickelallergie
Was zählt, sieht man selten von außen. Es steckt in Lot, Verschluss und der Schicht darunter.

Welche Materialien machen die meisten Probleme?

Am häufigsten sind es fünf: vergoldetes Messing, 925 Sterlingsilber mit unklarer Legierung, rhodinierter Schmuck mit abgetragener Schicht, Weißgold mit Nickel als Aufheller und Modeschmuck ganz ohne Materialangabe. Bei vier davon liegt das Problem nicht im sichtbaren Metall, sondern in dem, was darunter oder daneben sitzt.

Vergoldetes Messing

Messing selbst ist eine Legierung aus Kupfer und Zink und enthält kein Nickel. Das Problem sitzt woanders: in der Haftschicht unter der Vergoldung, im Lot und im Verschluss. Solange die Goldauflage geschlossen ist, bleibt alles ruhig. Galvanische Auflagen liegen aber oft unter einem Mikrometer und sind nach Monaten durchgerieben. Wenn deine Haut sich grün verfärbt, ist das übrigens Kupfer und kein Allergiesignal. Warum Beschichtungen unterschiedlich lange halten, steht im Beitrag zu Schmuck, der nicht abfärbt.

925 Sterlingsilber

Kaum eine Angabe wird so oft missverstanden wie diese. Bei 925 ist nämlich nur eine einzige Zahl festgelegt: 92,5 Prozent Silber. Woraus die restlichen 7,5 Prozent bestehen, schreibt keine Norm vor. Meist ist es Kupfer, manchmal ist Nickel dabei.

Genau diese Offenheit ist das Problem, denn der Stempel sagt nichts über die Verträglichkeit. Und das Anlaufen, das viele beunruhigt, ist eine Reaktion mit Schwefel aus der Luft. Es trifft jeden Silberschmuck, auch teuren. Wenn dir jemand eine dunkel gewordene Kette hinhält und fragt, ob sie deshalb die Reaktion ausgelöst hat, lautet die Antwort fast immer nein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Rhodinierter Schmuck

Hier widerspricht sich der Handel selbst. Manche Shops verkaufen RhodinierenGalvanisch aufgebrachte Schicht aus Rhodium, einem Platinmetall. Sie macht Schmuck heller und härter, ist aber eine Schicht und keine Legierung. als Lösung für Allergikerinnen, andere schreiben, es bringe wenig. Beide haben halb recht. Rhodium ist ein Edelmetall und selbst sehr gut verträglich. Nur ist es wieder eine Schicht, und Schichten reiben durch. Was danach auf der Haut liegt, ist das Metall darunter. Rhodinieren verschiebt den Zeitpunkt, es löst die Materialfrage nicht.

Weißgold

Der weiße Ton kommt nicht vom Gold. Gold ist gelb, und damit ein Ring weiß wird, muss ein helles Metall dazu. Traditionell ist das Nickel. Es gibt Legierungen mit Palladium statt Nickel, die deutlich verträglicher sind, nur steht das selten dabei. Meist liegt zusätzlich eine Rhodiumschicht darüber, und die macht den Anfang unauffällig. Reagiert ein Weißgoldring erst nach ein, zwei Jahren, ist das kein Zufall, sondern der Zeitpunkt, an dem die Schicht durch ist.

Modeschmuck ohne Materialangabe

Wenn nichts deklariert ist, ist alles möglich. Das ist keine Unterstellung, sondern die Konsequenz aus der Regelung: Vorgeschrieben ist die Einhaltung des Grenzwerts, nicht die Angabe des Werkstoffs. Ein Stück ohne Materialangabe lässt sich deshalb nicht beurteilen, weder von dir noch von mir. Was sich hinter dem Handelsnamen Chirurgenstahl verbirgt und warum eine Werkstoffnummer mehr sagt als jedes Etikett, steht im Beitrag zu Chirurgenstahl.


Und was mache ich jetzt mit dem Stück in der Hand?

Nach Material sortieren, nicht nach Wert. Praktisch sind das drei Stapel.

01

Der erste ist Alltag: alles mit benanntem Werkstoff, also Titan, 316L, hochkarätiges Gold.

02

Der zweite sind die seltenen Stücke, Erbstücke und Erinnerungen. Dort lohnt der Lack, mit dem Wissen, dass er nachgetragen werden muss.

03

Der dritte Stapel ist der ehrliche: vergoldetes Messing, das schon durchgerieben ist, und alles ohne Angabe. Diese Stücke wirst du nicht retten, und es hilft nichts, sie weiter in der Schale liegen zu lassen.

Frau trägt eine feine goldene Kette aus 316L Edelstahl, verträglicher Schmuck im Alltag
Am Ende bleibt, was du morgens anlegst, ohne vorher zu überlegen.

Was am Ende in der Schale bleibt

Fazit

Das Kästchen wird beim Sortieren kleiner. Und das darf es auch. Ein Stück, das du seit zwei Jahren anschaust und nicht anziehst, ist keine Erinnerung mehr, sondern ein Vorwurf im Regal. Die Erinnerung hängt nicht am Metall.

Was übrig bleibt, sind die Stücke, bei denen jemand sagen kann, woraus sie bestehen. Das ist der ganze Unterschied, und er ist banaler, als das Thema vermuten lässt.

Bei unserem Schmuck ist das 316L Edelstahl mit der Werkstoffnummer 1.4404, mit 18K PVD-Vergoldung über dem ganzen Stück und Verschlüssen aus demselben Stahl. Er gibt praktisch kein Nickel an die Haut ab und hält den EU-Grenzwert ein. Wenn du sehen willst, wie das aussieht, findest du die Stücke in der Kollektion, mit 100 Tagen Rückgabe und zwei Jahren Garantie, falls deine Haut anderer Meinung ist als die Norm.

Und wenn du das Thema breiter nachlesen willst, steht der ausführliche Beitrag zu nickelfreiem Schmuck bereit.

100 Tage

Rückgabe

2 Jahre

Garantie

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Maria-Anna, Schmuckexpertin bei MERCY'S

Schmuckexpertin bei MERCY'S

Maria-Anna

Maria-Anna berät die MERCY'S Kundinnen seit dem ersten Tag zu Material und Verträglichkeit. Welche Stücke sich bei einer Nickelallergie noch tragen lassen und welche nicht, ist eine der Fragen, die sie am häufigsten beantwortet. Mehr über sie erfährst du auf ihrer Seite.

Häufige Fragen zu Nickelallergie und Schmuck

Was tun bei einer Nickelallergie?

Die Abklärung gehört in ärztliche Hände. Für den Schmuck gilt: Material mit benanntem Werkstoff wählen, unklare Stücke ablegen und Beschichtungen prüfen, sobald sie stumpf werden.

Ist Messing bei Nickelallergie geeignet?

Messing selbst enthält kein Nickel. Problematisch sind Haftschicht, Lot und Verschluss. Sobald eine Vergoldung durchgerieben ist, entscheidet nicht mehr das Messing, sondern das, was darunter sitzt.

Löst Sterlingsilber Allergien aus?

Silber selbst nicht. Bei 925 sind nur 92,5 Prozent Silber vorgeschrieben, der Rest ist offen. Ohne Angabe der Legierung lässt sich die Verträglichkeit nicht beurteilen.

Ist rhodinierter Schmuck nickelfrei?

Rhodium selbst ist gut verträglich, es ist aber nur eine Schicht. Reibt sie durch, liegt das Metall darunter auf der Haut. Rhodinieren verschiebt den Zeitpunkt, es ersetzt keine Materialwahl.

Hält Nagellack auf Schmuck?

Nur kurz. Reibung, Schweiß und Hautfett lösen den Film, oft schon nach wenigen Tagen. Für selten getragene Stücke ist das praktikabel, für Alltagsschmuck nicht.

Ist Chirurgenstahl bei Nickelallergie geeignet?

Meist ja. Chirurgenstahl steht im Schmuck fast immer für 316L, und dieser Stahl bleibt deutlich unter dem EU-Grenzwert. Verlässlich ist allerdings nur die Werkstoffnummer, nicht der Handelsname.

Kann ich trotz Nickelallergie Ohrringe tragen?

In den meisten Fällen ja. Am Ohr gilt der strengere Wert von 0,2 Mikrogramm, weil ein Stab in durchstochener Haut sitzt. Neben dem Material zählen dort Gewicht und Verschluss.